Ist Google Wave tot?

Vor mehreren Monaten hat sich Google Wave noch wie ein Lauffeuer verbreitet: Alle Nerd-Medien berichteten ausführlich über den “E-Mail Killer” von Google und jeder vernünftige Geek (darunter auch ich) war scharf auf einen der sehr begehrten Accounts. Diese wurden nur per Einladung verteilt, waren limitiert und damit äußerst spärlich gesät; Ein effektiver Weg, einen Hype zu erzeugen.

Irgendwann erhielt ich endlich meine Einladung, konnte Google Wave aber nicht richtig testen weil eben kaum einer meiner Bekannten einen Account hatte. Wenige Wochen später erhielt ich die Möglichkeit, Einladungen zu verschicken (genau 6 (!) Stück), die ich an gute Freunde verteilte. Die ersten Tests waren dann auch sehr spaßig: Die Usability und Möglichkeiten beeindruckten durchaus: Statt nackter Mails konnte man nun “Mashups” gestalten, also Fremdelemente einbetten. Im Gegensatz zu E-Mails, die nur auf Anhänge und ein wenig HTML beschränkt sind, konnte man hier direkt interaktive Landkarten, Umfragen und noch viel mehr einbetten. Ich war begeistert und hatte sofort den Nutzen erkannt.

Mittlerweile habe ich etwa 30 Einladungen verschickt und auch wirklich jeder, der an einem Konto interessiert war, sollte mittlerweile ein Konto sein Eigen nennen. Allerdings ist bei mir die Euphorie abgeflaut. Keiner meiner bekannten nutzt mehr Google Wave. Wie konnte es dazu kommen?

Die Tatsache, dass viele Bekannte anfangs keinen Nutzeraccout hatten, minderte den “Entdeckungsfaktor”, wie ihn etwa Facebook mit sich bringt. Zudem ist Google Wave deutlich zu komplex. Nicht im Sinne von schlechter Usability o.ä., aber die Möglichkeiten überfordern normale Benutzer einfach. Z.b. würde ich meiner Mutter nie beibringen können, eine Wave zu verfassen; Zu Komplex ist das Konzept der Applets in Waves  für Nicht-Entwickler.

Tja, und so kam mir heute nach ewigen Tagen Abstinenz zur Plattform mal wieder in den Sinn, einen Blick hinein zu werfen. Mit dem erwarteten Ergebnis: Seit Monaten tut sich NICHTs. Keine neuen Waves, keine neuen Kontakte, kein neuer Spaß.

Google Wave ist für mich das beste Beispiel, wie man ein Produkt durch Overhyping töten kann.


 
 
 

2 Kommentare zu “Ist Google Wave tot?”


  1. Perun
    11. Februar 2010 um 01:19

    Das ging mir ähnlich. Ich kam mit dem was bis jetzt unter “Google Wave” angeboten wurde üerhaupt nicht zu Recht. Ich wusste weder wirklich wo ich anfangen, noch wo ich aufhören muss.

  2. SonicHedgehog
    13. Februar 2010 um 15:08

    Höre in letzter Zeit eigentlich immer nur von einer Zielgruppe, die es etwas gebracht hat: Und zwar die Podcaster. Für das Zusammenschreiben von Shownotes usw. ist Google Wave einfach wunderbar. ;)

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